Chronik

1970 - 1979

Houston, wir haben ein Problem. Dieser Ausspruch von James Lovell an Bord von Apollo 13 im April 1970 ist in die Geschichte eingegangen.

 

Urfeld hatte in diesen Tagen auch ein Problem. Wie heute, so wurde auch vor 30 Jahren in Urfeld oft und zünftig gefeiert. Was manch einen dabei störte, war die Tatsache, dass man bei allen Festen auf die Unterstützung auswärtiger Musikkapellen angewiesen war. Dies galt auch für kommunale und kirchliche Anlässe wie z.B. Kranzniederlegungen oder Prozessionen: Überall fehlte es an Musik.

 

Zu jener Zeit traf man sich sonntags zum Frühschoppen, so auch eine Gruppe von zehn Männern, deren Treffpunkt beim “Haase Marie” war. Die alte Wirtschaft existiert schon lange nicht mehr. Heute steht an gleicher Stelle das Restaurant “Zum Germanen”. Besagte Gruppe wollte nun über das sonntägliche Beisammensein hinaus etwas Gemeinsames tun, worüber monatelang diskutiert wurde...


1970



Endlich, man schrieb den 21. November 1970, schritt man zur Tat. Man beschloss, eine Blaskapelle zu gründen. Schnell war mit Josef Hönighausen der erste Vorsitzende gewählt und auch über den Namen des Vereins gab es keine langen Diskussionen, "Musikfreunde Urfeld" sollte er heißen. Die zehn Männer, die am 21.11.1970 die Musikfreunde Urfeld aus der Taufe hoben, waren:

Bernd Firtzsche Peter Biermann Willi Jackes Josef Hönighausen Herbert Lammerich
Peter Kratz Hans Nolde Heinz Röder Günter Steffen Josef Impekoven

Was in vielen Monaten zuvor oft belächelt worden war, war nun Wirklichkeit geworden. Ein neuer Verein war geboren, apropos geboren: Noch in derselben Nacht wurde die Tochter des Gründungsmitglieds Willi Jackes, Alexandra, geboren. Von den Gründern ist heute noch als einziger Willi Jackes am Schlagzeug aktiv.


1971



Etwa ein halbes Jahr später bestritten die Musikfreunde ihren ersten Auftritt, die musikalische Begleitung der Fronleichnamsprozession in Urfeld. Der Mann, der den Musikfreunden die ersten "Flötentöne" beibrachte und den Verein in den ersten beiden Jahren dirigierte, war übrigens das heutige Ehrenmitglied Ernst Bender.

 

Es gab damals zwar noch keine Uniform, trotzdem gaben die Musiker ein gutes Bild ab. So schrieb z.B. die Bonner Rundschau unter dem Titel "Nun hat auch Urfeld ein Blasorchester", dass das Vereinsleben in Urfeld reicher geworden sei. Musikbegeisterte Urfelder Bürger, so die Rundschau, fanden sich zu einem Blasorchester zusammen, das auf Anhieb seine Feuertaufe bestand.


1972



 

 

Im Jahr darauf nahmen die Musikfreunde dann den Spielbetrieb auf. Die ersten großen Herausforderungen an eine junge Kapelle standen ins Haus.

 

Der erste Veranstalter, der den Musikfreunden das Vertrauen schenkte, war der Herseler Ortsausschuss, der es den Musikfreunden ermöglichte, erste Erfahrungen auf der Bühne zu sammeln, z.B. anlässlich des Pfarrfestes in Hersel im Jahr 1972 und seit 1973 auch im Karnevalszug. Diese enge Verbundenheit der Musikfreunde mit dem Nachbarort Hersel ist auch ein Grund, warum die Musikfreunde Jahr für Jahr den Herseler Karnevalszug und nicht die parallele Veranstaltung in Wesseling begleiten.

 

 

Tritt man mit einer Gruppe auf, dann möchte man auch nach außen hin Solidarität bekunden. Auf der Mitgliederversammlung am 21.10.72 wurde deshalb folgendes beschlossen: "Damit der Verein bei Auftritten einheitlich gekleidet auftreten kann, werden blaue Hemden und gestreifte Krawatten angeschafft". Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Hemd und Krawatte nur bei Auftritten der Musikfreunde getragen werden dürfen.


1973



Und so präsentierten sich die Musikfreunde ab 1973 auch optisch als eine Einheit. Hier zum Beispiel beim 100jährigen Jubiläum des MGV Liederkranz Urfeld.

 

Dirigiert wurden die Musikfreunde zu dieser Zeit von Hans Schultheis. Er hatte erheblichen Anteil an der Entwicklung des Vereins, verstand er es doch, Hobbymusiker zu begeistern, die praktisch nie eine Unterrichtsstunde an ihrem Instrument erhalten hatten. Für seine Verdienste wurde er im Jahr 1995 zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt.Am 1. Januar 1973 traten die Musikfreunde dann der Bundesvereinigung Deutscher Blas- und Volksmusikverbände (BDBV), oft auch Volksmusikerbund genannt, bei.

Das Orchester bestand zu diesem Zeitpunkt aus 23 Musikern.


1974



Die vielfältigen Aktivitäten des Vereins verursachten im Laufe der Zeit eine erhebliche Zunahme an Arbeit für den lediglich aus Vorsitzendem, Kassierer und Schriftführer bestehenden Vorstand. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung vom 27.04.1974 wurde deshalb erstmals ein achtköpfiger Vorstand bestehend aus Vorsitzendem, Kassierer, Schriftführer (jeweils mit Stellvertreter) sowie je einem Jugend- und Notenwart gewählt. Diese Zusammensetzung hat praktisch heute noch Bestand.



1975 - 1976



Die nächsten wichtigen Entscheidungen für die weitere Entwicklung des Vereins brachte dann das Jahr 1975. Franz Hopfinger löste Hans Schultheis als Dirigent bei den Musikfreunden ab. Hopfinger, der lachende Musikant aus dem Böhmerwald, wie man ihn nannte, war Musiker mit Leib und Seele und liebte die Volksmusik, eine Stilrichtung, die die Musikfreunde jener Tage ebenfalls bevorzugten. Die Jahreshauptversammlung am 09.03.1975 beschloss, endlich eine komplette Uniform anzuschaffen, wobei sich nach leidenschaftlich geführter Diskussion eine konventionelle Lösung knapp gegen einen Trachtenanzug durchsetzen konnte. Die dunkelgrüne Uniform mit dem goldenen Emblem sollte für 25 Jahre das Aussehen der Musikfreunde bestimmen. Ein Karnevalskostüm besaß man übrigens schon einige Zeit.

Nachdem die neue Uniform nun endlich fertig war, war es Zeit für das erste offizielle Vereinsfoto, das im Wesselinger Rheinpark aufgenommen wurde.

 

Einige Wochen später, am 6. Juni 1975 war es dann soweit. Eine Veranstaltung war ins Leben gerufen worden, die heute einen festen Platz im Urfelder Jahr hat: der Tag der Blasmusik. Die Veranstaltung fand in den ersten Jahren irgendwann im Sommer statt, hat aber seit 1978 immer zu Pfingsten auf dem Schulhof der Rheinschule ihren festen Platz. Kapellen aus Nah und Fern sorgen für Blasmusik am laufenden Band und der Schulhof platzt fast in jedem Jahr aus allen Nähten. Über 25 Jahre Tag der Blasmusik wurde im Programmheft 1999 ausführlich berichtet.


1977 - 1979



Nach dem Tod von Franz Hopfinger Ende des Jahres 1977 übernahm ab 1978 wieder Hans Schultheis für zwei Jahre den Dirigentenstab bei den Musikfreunden Urfeld, ehe mit Beginn des Jubiläumsjahres 1980 ein neue Ära bei den Musikfreunden begann.

 

Hermann Timme, bis zu seinem Tod am 21.9.2005 Ehrenmitglied der Musikfreunde, übernahm für die nächsten 10 Jahre die Leitung der Musikfreunde. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Orchester zu einem in der gesamten Region geschätzten Orchester.